Faszination Blitze und meine Erfahrungen

Nun, kein Fotograf wird je in Frage stellen das Blitze ungefährlich sind. Blitze können erheblichen Schaden anrichten. Aus fotografsicher Sicht sind aber Blitze eine Herausforderung und Faszination zugleich. Blitze zu fotografieren ist nie einfach und viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Und auch beim Thema Sicherheit gibt es einiges zu beachten. Mit der Zeit habe ich schon einige Blitze fotografiert und der eine oder andere ist schon in unmittelbarer Nähe eingeschlagen. Hier mal so meine Erfahrungen.
Wie entstehen eigentlich Blitze?
Nun, zunächst steigen feucht warme Luftmassen vom Boden auf und bilden dabei die sogenannten Quellwolken. Nach der Null-Grad-Grenze bilden sich Eiskristalle. Diese Eiskristalle haben hierbei unterschiedliche Formen. Manche Eiskristalle verklumpen sich zu Hagelkörner (z.B. bei einer Superzelle). Durch die Aufwinde stoßen diese Eiskristalle gegeneinander und es kommt zur elektrischen Aufladung. Positive geladene Teilchen steigen nach oben auf. Negativ geladene Teilchen fallen nach unten. Die Quellwolke wird jetzt zu einer riesigen Batterie. Irgendwann sind die Spannungsunterschiede so groß, dass es dann zu einer Entladung kommt – es kommt zu einem Wolkenblitz.
Wenn zudem unter so einer Gewitterwolke der Erdboden auch positiv geladen ist, kann es auch zu einem Erdblitz kommen. Die Spannungsunterschiede und Entladungen sind bei Erdblitzen wesentlich größer. Messungen mit Hochgeschwindigkeitskameras haben auch ergeben, dass bei einem Erdblitz sich zunächst Verzweigungen aus der Wolke in Richtung Erde bilden. Sie sind allerdings für das menschliche Auge kaum sichtbar. Berührt dann einer diese Verzweigungen den Erdboden oder andere nasse oder metallische Gegenstände bildet sich ein Blitzkanal und es kommt zur Entladung. Erst diese Entladung nehmen wir als Blitz oder mehrere Blitze wahr. Was jedoch unser Auge nicht sieht, dass der Strom von Erde in Richtung Wolke fließt. Dies haben Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskameras ergeben.
Die Sache mit der Schallgeschwindigkeit
Damit man ungefähr die Entfernung zum Blitz einschätzen kann, bedient man sich der Schallgeschwindigkeit. Die Schallgeschwindigkeit ist aber keine fixe Größe, denn sie variiert mit Temperatur und Dichte der Luft. Als grobes Maß kann man 345 Meter pro Sekunde (1242 km/h) ansehen – also rund 300 m/s. Sieht man einen Blitz zählt man die Sekunden bis zum Donner und teilt das Ergebnis durch 3. Liegen zwischen Blitz und Donner ca. 10 Sekunden, so rechnet man 10 Sekunden durch 3 und kommt so auf ca. 3 Kilometer.
Wer FM-Funkgeräte benutzt (analog Technik wie z.B. beim Seefunk) kann Blitze auch hören. Blitze erzeugen ein elektromagnetischen Impuls. Im Funkgeräten, Empfängern oder Radio ist dies als „knistern” wahrnehmbar. Je höher die Frequenz und mehr „knistern”, um so näher kommt das Gewitter. Funkgeräte im 2-m Band können Blitze aus ca. 10km Entfernung wahrnehmen.
Der Blitzschutz
Ich habe bereits (negative) Erfahrungen gemacht, wenn sich so ein Blitz über die Antenne ins Haus bewegt, durch sämtliche Steckdosen zieht und selbst vor der Badewanne nicht halt macht! Ja sogar unter Putz liegende Stromkabel wurden explosionsartig aus der Wand gefetzt. Geräte die in der Steckdose oder Antennendose steckten sind innerhalb einer Sekunde am Stromeingang durchgeschmolzen. Leider ist so, dass viele auf das Thema Blitzschutz am Haus wenig Wert legen. So ein Blitz kann auch über einen Parabolspiegel ins Haus gelangen. Und ist er einmal im Haus, bannt er sich den kürzesten Weg in Richtung Erde über alle erdenkbaren Leitungen, Rohre und sonstige metallische Gegenstände die mit dem Erdboden irgendwie verbunden sind.
! Safety first !
Nun wenn der Blitz unter 5km Entfernung ist, dann sollte man seinen Standort wechseln, sofern man im Freien ist. Keine gute Idee ist es, bei einer freien Fläche bei Gewitter mit Fahrrad oder Regenschirm unterwegs zu sein. Und schon gar nicht sollte man Bäume als Schutz vor Gewitter aufsuchen. Bessere Schutz wäre ein Haus, ein Auto und wenn alles nichts nützt sogar ein Graben wo man sich hinhockt. Ich habe schon mehrfach Erfragungen gemacht, wenn ein Erdblitz nur wenige hundert Meter im Umkreis von dir einschlägt. Da rutscht das Herz in die Hose und dein Puls erreicht die Obergrenze. Ich habe gesehen, wie ein Blitz einen massiven Baum in zwei Hälften zerlegen. Da bekommt man schon Respekt von dieser Naturgewalt.
Ich persönlich (wenn ich im Freien bin) stelle mich überwiegend so hin, dass die Gewitterzelle an mir vorbei zieht. Fängt es an zu regnen, sollte man den Standort sofort verlassen. Ansonsten wird der Zug der Gewitterzellen im Vorfeld über Wetterseiten beobachtet.
Faszination Blitze
So unberechenbar Blitze auch sind, so faszinierend ist es auch sie zu fotografierten. Und gibt es viele Möglichkeiten. Die einfachste Variante, die auch mit Handy geht, einfach ein Video filmen und warten bis ein Blitz zu sehen. Dann aus dem Video ein Screenshot (Standbild) machen. Nachteil, das Bild ist nicht hochauflösend und kann später schlechter gearbeitet werden. Da einige Sensoren von oben und unten belichten, kann es während des Blitzes zu unterschiedlichen Helligkeitsbereichen im Bild kommen. Im Video ist das kaum sichtbar, beim Standbild schon.
Die andere Variante ist mit Kamera und hierbei Intervall Aufnahmen zu machen. Damit der Blitz nicht überstrahlt dabei die Blende zusammen – z.B. auf f/10. Am besten ist es natürlich Blitze bei Dunkelheit zu fotografieren. So kann man hier mit längeren Verschlusszeiten arbeiten und die Chance einen Blitz zu erwischen ist wesentlich höher. Am Tage wird das Ganze etwas schwieriger. Hier stelle ich den ISO auf 50, die Blende auf f/20 und jede nach Bewölkung komme ich somit auf ca. 1 Sekunde Belichtung. Stelle ich jetzt den Intervall auf 1 Sekunde, besteht die Möglichkeit das ein Blitz auf der Kamera ist. Ansonsten ist viel Geduld das Zauberwort.
Die letzte Möglichkeit wären elektronische Hilfsmittel wie Sensoren oder Fernauslöser die speziell für Blitz-Fotografie gedacht sind. Aber da hab ich absolut keine Erfahrung. Wer so etwas benutzt kann ja mal dazu etwas in die Kommentare schreiben.