Eine besondere Form von Polarlicht – RAGDA-Aurora

Leider war ich beim starken Polarlicht am 23. April 2023 nicht am Start. Beim damaligen Sichten der Webcam-Aufnahmen von Kap Arkona sind mir gegen 21:30 UTC die alleinstehenden grünen Flecken am Himmel zum Zeitpunkt des Polarlichtes aufgefallen. Erst recht, weil diese hellen Flecken nicht in Richtung Polarlicht waren, sondern in Richtung Süden, also genau entgegengesetzt. Sie sahen auch nicht nach Wolken aus. Nun ja was soll ich sagen, dieses Phänomen habe ich am Himmel noch nie gesehen bzw. ist mir noch nicht aufgefallen. Ich schätze, dass es den meisten Fotografen ebenfalls nicht aufgefallen ist. Klar, wer schaut bei Polarlicht auch in Richtung Süden.

Ich habe hierzu dann später recherchiert und bin über die Begrifflichkeit „RAGDA” gestoßen. Die Abkürzung RAGDA steht für „Red Arc with Green Diffused Aurora” und wurde von der finnischen Astronomin Emma Bruus (www.ursa.fi) im Jahre 2018 entdeckt und ist eine neue Form von Polarlicht. Und das finde ich total spannend, wenn man bedenkt wie lange man schon Polarlichter beobachtet. Jedenfalls wurden die Forschungsergebnisse von Emma Bruus im „JGR Space Physics Journal” veröffentlicht. Später wurde von einer anderen Astronomin Heidi Rikala ähnliche Flecken am Himmel beobachtet. Mittels der Skywarden-Datenbank (www.taivaanvahti.fi) konnten 70 Beobachtungen ermittelt werden.

Emma Bruus präsentierte die besonderen Ergebnisse auf einem internationalen Aurora Borealis (STEVE) Workshop im Oktober 2021. Professor Toshi Nishimura, Leiter der Nordlicht-Forschungsgruppe an der Boston University, machte sich daran diese neue Form mit Satellitenmessungen zu untersuchen. Die Untersuchungen seien schwierig gewesen, die Satelliten in Position zu bringen und auf geeignete Polarlichtphasen zu warten. Die Forschung ergab, dass die diffusen grünen Formationen durch Sonnenwindpartikel verursacht werden. Die Flecken mit dem diffusem Grün stammt von viel schwereren Teilchen, Protonen. Es entsteht in einer Kettenreaktion, bei der ein Proton, das mit einem atmosphärischen Atom kollidiert, ein Elektron von diesem löst. Das Elektron kollidiert dann mit einem Molekül in der Atmosphäre, und die zusätzliche Energie, die das Molekül erhält, wird als Photon emittiert, das als Polarlicht gesehen werden kann. Das entdeckte Phänomen wurde aufgrund seines Aussehens „Red Arc with Green Diffuse Aurora” (RAGDA) genannt. Das Projekt hat den Forschern neue Informationen darüber geliefert, wie Protonen mit der Atmosphäre interagieren.

Exakt die selben Lichter wie hier auf der Webcam Kap Arkona wurden auch von einem schwedischen Fotografen in der Provinz Karlskrona fotografiert. Deren Fotos sind auch in der Skywarden-Datenbank enthalten. Aufgrund dieser Erkenntnisse, habe ich mir noch einmal das Polarlicht vom 26.02. und 27.02. angeschaut, hier konnte ich jedoch kein RAGDA-Aurora feststellen. Möglicherweise tritt RAGDA-Aurora nur bei ganz bestimmten Bedingung auf.

Nachtrag: Mittlerweile hatte ich mit der Astronomin Emma Bruus sogar Kontakt und sie konnte die Aufnahmen vom 23. April 2023 auch bestätigen.

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